II. Spam
1. "Spit"
Noch kein Thema in der täglichen Praxis in
Deutschland, aber es gibt erste Anzeichen,
dass Spam auch bei VoIP zum Problem werden könnte ("Spit"; "Spam over
Internet Telephony").
Insbesondere in den USA werden VoIP-Kunden
bereits durch Direktmarketingfirmen
belästigt. Langfristig dürfte die Hauptgefahr v.a. von mit
Sprachcomputern gesteuerten voll-automatisierten Anrufen ausgehen. Für den Spammer
kostet ein Anruf per VoIP so gut wie nichts... mithin ist VoIP also der Traum
jedes Spammers. Es gibt für VoIP-Anbieter schon erste
(kommerzielle) Lösungen gegen VoIP-Spam.
2. Spam-Vermeidung
Der Anwender kann (und sollte!) zum einen darauf
achten, dass seine VoIP-Kennung nicht in die falschen Hände gerät (vgl.
E-Mail!); v.a. ENUM-Kennungen dürften für Spammer
gegebenenfalls von hohem Wert sein, da ENUM nicht nur auf VoIP
beschränkt ist, sondern auch mit anderen Diensten verbunden werden kann
(z.B. E-Mail und Telefonnummern). Siehe dazu auch unter
ENUM/Praxis.
Außerdem kann es langfristig Sinn machen, ähnlich wie
bei der Auswahl einer E-Mail-Adresse, darauf zu achten, dass die
SIP-Kennung nicht ohne weiteres erratbar bzw. automatisch generierbar
ist. Typischerweise laufen beispielsweise bei kurzen E-Mail-Adressen
über kurz oder lang Spam-Nachrichten auf, auch wenn die E-Mail Adresse
nie veröffentlicht wurde. Die Adresse wurde schlicht nach dem
Zufallsprinzip "erraten". Problematisch könnten in diesem Zusammenhang
VoIP-Anbieter sein, bei denen die SIP-Kennungen in Form von
fortlaufenden Nummern vergeben werden. Da müsste nicht mal mehr irgend
etwas "erraten" werden.
3. Spam-Abwehr
Technisch gesehen sind mehrere Strategien gegen
VoIP-Spam denkbar.
Eine Möglichkeit ist,
eingehende Anrufe nur von autorisierten Anrufern zuzulassen. Dies ist
allerdings auch nicht der Weisheit letzter Schluss, da es die
Möglichkeit der einfachen Kontaktaufnahme per VoIP ad absurdum führt.
Fraglich ist außerdem, ob die Autorisierung zentral oder
individuell-lokal von jedem VoIP-Nutzer ("Peer-to-Peer") erfolgen soll.
Während im ersteren Fall beispielsweise eine zentrale so genannte
Whitelist verwendet werden könnte
(eine Liste aller autorisierten Teilnehmer am VoIP-Datenverkehr),
würde im zweiten Fall die Autorisierung durch jeden User einzeln
erfolgen. Letzteres ist beispielsweise im Softphone Skype möglich. In
Skype lässt sich unterscheiden zwischen
Chatanfragen und Telefonanrufen. Vorsichtige Nutzer sollten Anrufe nur
für solche Nutzer zulassen, mit denen sie Kontaktdetails ausgetauscht
haben (siehe dazu unter Datenschutz).
Der "Skype me"-Modus setzt übrigens sämtliche Datenschutzeinstellungen
vorübergehend außer Kraft.
Gegen die "zentrale
Lösung" spricht zum einen, dass sie dazu missbraucht werden könnte,
"unliebsame User" mundtot zu machen. Zudem spielen auch Fragen der
Datensicherheit und des Datenschutzes eine wichtige Rolle.
Ein anderer Ansatz wäre, Spit bereits im
Backbone zu erkennen (z.B: auf Grund
auffälliger Häufung von Netzkontakten aus einem bestimmten VoIP-Netz) und zu filtern, noch
bevor beim Angerufenen das Telefon klingelt. Das seit Ende Oktober 2004
bestehende zentrale Vermittlungssystem für VoIP in Deutschland
("Toplink") ist beispielsweise mit einem solchen Schutzsystem gegen Spit
ausgerüstet worden. Im Bereich E-Mail
entspricht dies in etwa serverseitigen Spam-Blockern (allerdings mit
dem gravierenden Unterschied, dass es bei VoIP anders als bei E-Mail zu
einer End-to-End-Verbindung (Direktverbindung) kommt). Das generelle
Risiko bei solchen System ist, dass die Filter "zu scharf" eingestellt
sind und auch eigentlich berechtigte E-Mails bzw. VoIP-Anrufe
ausgefiltert werden. Wichtig wäre daher, dass solche Systeme optional
wären und jeder User entscheiden kann, wie mit zweifelhaften
Nachrichten/Anrufen verfahren werden soll.
Weitere Methoden sind denkbar. So etwa ein Mechanismus,
der Anrufe nur durchlässt, wenn der Anrufer nach Aufforderung eine
spezielle Kennung eingibt. Man findet einen ähnlichen Mechanismus schon
heute beispielsweise beim Registrieren auf Websites in Form von Zahlen- und
Buchstaben-Grafiken ("Captcha"), die manuell eingegeben werden müssen, um eine
maschinelle Registrierung zu verhindern.
Die naheliegendste Vorgehensweise - die
Berücksichtigung der so genannten Caller-ID
(Anruferkennung) und dem Einsatz von so genannten lokalen "Blacklists" - dürfte im Endeffekt wenig effektiv sein, da sie (wie auch
E-Mail-Absender) gefälscht werden kann (Caller ID spoofing). Vergleichbares kennt man
auch aus dem Bereich Telefax, wo die Absenderkennung bei unerwünschter
Werbesendungen ebenfalls häufig gefälscht oder verschleiert wird.
Blacklists können aber sehr wohl relativ wirksam
sein, wenn sie netzseitig greifen, was von machen VoIP-Anbietern
angeboten wird. Denn normalerweise sind auch unterdrückte Rufnummern für
den Netzbetreiber feststellbar.
Eine besondere Gefahr liegt auch darin, dass
SIP-Konten schlimmstenfalls Ziel von Hacker-Angriffen werden könnten
und dann für Spam missbraucht werden werden könnten.
weiter...
|