Veröffentlichungen
Hottelling 2005/02 (Gastartikel)
(Stand: 24.1.2005)
Nachtrag 26.9.2005: siehe auch unter
WLAN
VoIP: Mehr als nur ein Hype
Internet-Telefonie im Hotel
Abdruck auf florianmessner.com mit freundlicher Genehmigung von
www.hottelling.de.
"hottelling" ist eine digitale
Fachzeitschrift für Hotellerie und gehobene Gastronomie. Sie erscheint seit dem Frühjahr 2004 und wird an rund 33.000
persönliche E-Mail-Adressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
verschickt.

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Noch bis vor wenigen Jahren galt das Telefonie-System
in einem Hotel in aller erster Linie als nicht unbeträchtliche
Einnahmequelle. Mit der starken Verbreitung von Mobilfunkgeräten, v.a.
bei den für Hotels der oberen Kategorie wichtigen Geschäftskunden,
änderte sich dies erst schleichend, im Ergebnis aber umso dramatischer:
viele Hotelbetreiber mussten einen deutlichen Rückgang der Einnahmen aus
dem hoteleigenen Telefonie-System verzeichnen, da immer mehr Hotelgäste
auf das für sie kostengünstigere Mobiltelefon auswichen. Neben den
Kosten dürften auch Aspekte der (preislichen) Transparenz, der
Bequemlichkeit und nicht zuletzt Gründe der Erreichbarkeit eine gewisse
Rolle gespielt haben.
VoIP als Chance
Eben diese Gründe freilich sind es auch, die jetzt dank
der relativ neuen Technologie der
Internet-Telefonie (VoIP; Voice over
IP) nicht nur zu einer Verringerung der Telefonie-Kosten für den
Hotelbetreiber, sondern im Optimalfall direkt oder indirekt sogar zu
einer Steigerung der Einnahmen führen könnten.
Mit VoIP wird üblicherweise die technische Möglichkeit
bezeichnet, Sprachkommunikation nicht mehr über ein dezidiertes
Telefonnetz abzuwickeln, sondern über ein Datennetz (z.B. das Internet
oder auch ein Intranet). Dazu werden die (analogen) Sprachdaten
digitalisiert und als Datenpakete verschickt.
Kostenersparnis für den Hotelbetreiber
Während VoIP erst jetzt langsam aber sicher den
Massenmarkt für den Privatanwender erobert, nutzen insbesondere
international aufgestellte Unternehmen VoIP schon länger für die interne
Sprach-Kommunikation. Denn mit VoIP können nicht nur Filialen, sondern
auch Niederlassungen in verschiedenen Ländern unabhängig vom herkömmlichen Telefonnetz vernetzt werden und die
Telefonie-Kosten
damit erheblich reduziert werden. Ähnliche Szenarien sind auch für
international agierende Hotelketten denkbar, die so die internen
Gesprächskosten auf ein Minimum reduzieren können.
Daneben lassen sich auch die Kosten für
externe
Telefongespräche mitunter erheblich verringern, v.a. für Ferngespräche.
Dazu benötigt man einen VoIP-Provider, der die aus dem Datennetz
aufgebauten Gespräche über so genannte Gateways ins herkömmliche
Telefonnetz leitet. Da diese Telefongespräche im günstigsten Fall über
Ortsnetzgrenzen hinweg über das Datennetz geleitet werden und im
Idealfall erst im Ortnetz des Angerufenen ins herkömmliche
Telefonnetz übergeben werden, liegen die Kosten in der Regel deutlich
unter den sonst üblichen Gebühren.
Steigerung der Attraktivität für den Hotelgast
Diese Kostenersparnis könnte der Hotelbetreiber
wiederum an den Gast weitergeben. Dadurch kann es für den Hotelgast (als
Alternative zum Handy) wieder attraktiv sein, das hoteleigene
Telefonsystem zu nutzen, so dass sich auf diese Art und Weise wiederum
direkt Einnahmen aus dem Telefonie-System generieren lassen.
Es wäre allerdings zu kurz gedacht, die Einführung von
VoIP auf diesen (Kosten-)Aspekt zu reduzieren.
Neue und interaktive Services
Denn die Einführung von VoIP in einem Hotel bietet noch
weit mehr Möglichkeiten als die Gesprächskommunikation über das
Datennetz abzuwickeln und dadurch die Kosten zu reduzieren. So können im
Zuge einer VoIP-Implementierung noch zusätzliche "Dienstleistungen"
angeboten werden. Beispielsweise können die Gästezimmer mit speziellen VoIP-Telefonen
ausgestattet werden, die nicht nur zum Telefonieren genutzt werden
können, sondern auch zur Aufgabe von Bestellungen ("Room-Service")
oder zum Versenden von (internen oder externen) Nachrichten. Solche
Systeme könnten auch die derzeit weit verbreiteten "Hotel-Fernsehsender"
ablösen. Statt nämlich Hotelinformationen über einen hoteileigenen
internen Fernsehkanal zu präsentieren, könnten die Informationen auf
einem (Telefon-)Display eines entsprechenden Endgeräts ("screen phones")
angezeigt werden. Dies dürfte weit weniger "störend" sein als ein
Fernsehprogramm, das noch dazu erst eingeschaltet werden muss.
Hinzukommt, dass solche Systeme von Gast interaktiv genutzt werden
können.
Daneben kann ein Hotelbetrieb auch im internen Betrieb
von all denen Vorteilen profitieren, die eine Umstellung auf VoIP
generell bietet, insbesondere
erleichterte Administration und
Kostenersparnis durch Zusammenlegung von Telefon- und Datennetz oder
Möglichkeiten des
Unified Messaging.
Jedem Gast sein Telefonie-System
Selbst wenn ein Hotelbetreiber sich nicht für die
Umstellung des hoteleigenen Telefonie-Systems auf VoIP entscheidet,
dürfte ihn die Thematik an anderer Stelle trotzdem tangieren. Denn durch
die zunehmende Verbreitung von VoIP sowohl im Privatkunden- als auch
Businessbereich werden die Hotelgäste selbst VoIP nutzen wollen und zwar
völlig unabhängig vom hoteleigenen Telefonie-System.
Ein wichtiger Vorteil für Business-Gäste ist
beispielsweise, dass sie unter einer bestimmten Telefonnummer erreichbar
sind –
egal, wo sie sich gerade aufhalten. Dazu benötigen sie lediglich
einen Laptop oder ein spezielles VoIP-Telefon, um sich ins Internet
(bzw. Intranet) "einzuklinken". Da dies aber einen (Breitband-)Internetzugang
im Hotelzimmer (oder als WLAN in der Hotellobby) erfordert, wird genau
dies immer öfters vom Hotelgast erwartet. Erwartet wird aber nicht nur,
dass es einen Breitbandzugang gibt, sondern auch, dass VoIP praktisch
überhaupt nutzbar ist. Letzteres ist freilich keineswegs
selbstverständlich. Insbesondere können
restriktiv konfigurierte Firewalls oder andere Schutzmechanismen die Nutzung von VoIP erheblich
erschweren oder gänzlich unmöglich machen. Der vielleicht auf den ersten
Blick nahe liegende Einwand, genau das sei ja gewünscht, damit der
Hotelgast das hoteleigene Telefonie-System (das ein "herkömmliches"
oder ein VoIP-System sein kann) und nicht sein eigenes VoIP-System
nutzt, dürfte schon mittelfristig wenig sinnvoll sein. Denn nicht nur
dass es VoIP-Systeme gibt, die sich gerade dadurch auszeichnen, dass sie
auch noch unter schwierigsten Bedingungen funktionieren (als Beispiel
sei hier das sehr populäre Skype genannt). V.a. aber
dürfte mit einer solchen "Verhinderungsstrategie" die reale Gefahr
bestehen, den wichtigen Trend zu verpassen, dem Hotelgast zusätzliche
nützliche "Premium-Dienste" anzubieten.
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