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Praxis > Einschränkungen > Telefax > Seite 1 | 2

 

8. Telefax ("Faxen per VoIP")

 

a. Anschluss externer herkömmlicher Fax-Geräte

 

Auf den ersten Blick scheint es keinen Grund zu geben, warum man nicht per VoIP Telefaxe verschicken können sollte.

 

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Statt einem analogen Telefon würde man ein Telefax-Gerät z.B. an einen ATA anschließen (siehe dazu unter Los geht's/Voraussetzungen/Hardware). Unerfreulicherweise wird in vielen Schaubildern der VoIP-Anbieter genau diese Konstellation dargestellt, so dass man in der Tat den falschen Schluss ziehen könnte, faxen per VoIP sei kein Problem. Andererseits findet sich z.B. in den Konfigurationsmenüs mancher ATAs eine Einstellungsmöglichkeit "An dieser Nebenstelle ist ein Faxgerät angeschlossen" mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass ausgehende Anrufe dann immer über das herkömmliche Telefonnetz abgewickelt werden - und also gerade nicht per VoIP.

 

In der Tat gibt es technische Probleme beim Faxen über VoIP. Es wurde bei der Gesprächsqualität bereits ausführlich auf die Wahl eines geeigneten Codecs hingewiesen (siehe unter Praxis/Qualität/Codec). Die für Gespräche verwendeten Codecs sind aber (mit Ausnahme der G.711-Codecs) nicht für Fax-Datenübertragung geeignet. Denn die Audio-Codecs sind ja zum Zwecke der Traffic-Reduzierung (siehe dazu unter Praxis/Kosten/Sonstige Kosten/Internet-Kosten) immer mit (nicht hörbarer, also "verlustfreier") Komprimierung verbunden (das ist mithin Sinn und Zweck der Verwendung von Audio-Codecs). Bei der Übertragung von Fax-Daten kann es aber keine verlustfreie Komprimierung geben, weil grundsätzlich jeder Datenverlust zu einer Dysfunktionalität bei der Fax-Übertragung führt. Selbst mit G.711-Codecs, die auch bei ISDN zum Einsatz kommen, ist keine korrekte Übertragung des Fax garantiert.

 

Praktisch bedeutet das, dass zwar meistens die Fax-Signalisierung (per SIP) analog der Gesprächssignalisierung funktioniert, die eigentliche Übertragung der Faxdaten schlägt aber in der Regel fehl. Leider wird beim Sender aber teilweise gleichwohl eine erfolgreiche Faxversendung signalisiert. Das kann insofern fatale Folgen haben, als der Sender glaubt, das Fax sei korrekt verschickt worden, während der Empfänger in Wahrheit nur eine leere Seite, unleserliche Sonderzeichen oder nur einen Teil der Faxnachricht (die aber korrekt!) empfangen hat.

 

Im ungünstigsten Fall ist für den Empfänger nicht nachvollziehbar, von wem das Fax gesendet wurde. Selbst wenn man seine Absenderkennung nicht unterdrückt hat, bietet das keinerlei Gewähr, dass zumindest diese Information trotz Fehlübertragung beim Empfänger ankommt. Allenfalls wenn der Empfänger zufälligerweise z.B. einen Fax-Server verwendet und der Empfänger auf dessen Daten Zugriff hat (z.B. über ein Webinterface), ist die Absenderkennung u.U. dann dort einsehbar. So kann der Empfänger den Versender immerhin über dessen fehlgeschlagene Übertragung informieren. Alles in allem ist dies freilich nicht praxistauglich.

 

Teilweise wird berichtet, einseitige Telefaxe würden immer korrekt übertragen, mehrseitige dagegen nicht, wobei dies auch abhängig sei von der Zielstelle (etwa, ob es sich bei der Zielrufnummer um eine Telefax-Nummer im deutschen Festnetz oder aber in einem ausländischen Netz handele oder ob es sich um einen tatsächlichen Fax-Anschluss oder in Wirklichkeit um einen Fax-Server handele). Dem Autor dieser Zeilen gelang es allerdings nicht, auch nur eine einzige Seite korrekt per VoIP zu versenden. In jedem Fall ist Faxen per VoIP derzeit mit derart vielen Unwägbarkeiten verbunden, dass man nicht ernsthaft in Erwägung ziehen kann, sämtliche Faxe per VoIP zu versenden.

 

Mit Hilfe des T.38-Protokolls soll es in Zukunft möglich sein, auch direkt per VoIP Telefaxe zu versenden.

 

Erst nach und nach bietet die VoIP-Hardware ausdrücklich Unterstützung für das T.38-Protokoll, so etwa der TA612V von Netgear ("T.38 Fax Relay Protocols"). Allerdings muss auch der VoIP-Anbieter selbst dieses Protokoll unterstützen, was derzeit nur in Ausnahmefällen gewährleistet ist. Entscheidend für den Durchbruch des T.38-Protokolls wäre sicherlich die Implementierung in bekannten VoIP-Routern. Teilweise ist die Funktionalität sogar schon vorhanden, kann aber nur durch manuellen Eingriff in die Firmware aktiviert werden. Die offizielle Freischaltung der Funktion soll nach Aussage eines bekannten Hardware-Anbieters dann erfolgen, wenn auch die VoIP-Anbieter das Protokoll anbieten. Die VoIP-Anbieter wiederum wollen T.38 erst dann anbieten, wenn es hardwareseitig unterstützt wird...

 

Für den Privatanwender stellen sich im wesentlichen drei Alternativen:

Entweder verschickt er Faxe per herkömmlichem Telefonnetz (mit Call-by-Call!) oder aber er nutzt Online-Faxinterfaces (wie es z.B. Arcor anbietet), was freilich mit dem Nachteil verbunden sein kann, dass keine Bilder versendet werden können, sondern nur Text. Sipgate bietet die Möglichkeit an, PDFs per Webinterface zu versenden (Empfang derzeit nur mit monatlicher Grundgebühr).

 

Eine weitere Möglichkeit ist, spezielle Fax-Server zu verwenden, die E-Mails automatisch in Faxe umwandeln ("E-mail to Fax") und dabei (je nach Anbieter) auch Bilddateien und PDFs umwandeln.

 

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