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3. Technisch...
Folgende Kriterien können herangezogen werden. Die
Aufzählung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Sie sollte auch keinesfalls dahingehend missverstanden
werden, dass alle Punkte erfüllt sein müssen.
Vielmehr handelt es
sich lediglich um Anhaltspunkte für die Bewertung, was einen
vollwertigen VoIP-Anschluss auf technischer Ebene ausmacht.
Letztlich geht es auch weniger darum, positiv zu definieren, was VoIP
ausmacht, sondern darum, VoIP von verwandten Anwendungen sinnvoll
abzugrenzen.
Im Übrigen ist die Fragestellung keineswegs nur von
akademischem Interesse. Vielmehr spielen nachfolgende Aspekte in der
täglichen Praxis eine gewichtige Rolle:
a. Erreichbarkeit aus dem herkömmlichen Telefonnetz und
Erreichbarkeit des herkömmlichen Telefonnetzes (Gateway-Funktionaliät)
Ein Gateway ist ein Zugang, ein "Übergang" ins
herkömmliche Telefonnetz. Es geht also um die Erreichbarkeit in und
aus dem herkömmlichen Telefonnetz.
Bis Mitte 2006 konnten als Gegenbeispiel bekannte
Instant Messaging-Programme genannt werden, wie etwa der Yahoo!
Messenger, der Windows- oder MSN Messenger (letzterer heißt jetzt
übrigens Windows Live Messenger).
Instant Messaging-Programme sind eigentlich eine ganz
andere Abteilung und haben a priori nichts mit VoIP zu tun. Ursprünglich
konnten mit den bekannten Instant Messaging-Programmen weder
Telefonnummern im herkömmlichen Telefonnetz angerufen werden, noch
waren Instant Messaging-Nutzer aus dem Telefonnetz erreichbar. Insofern
sprach man üblicherweise eher von "voice chat" denn von
Internet-Telefonie bzw. VoIP.
Das stimmt so nun aber nicht mehr. In der Zwischenzeit
können Sie z.B. mit dem Yahoo! Messenger sehr wohl Rufnummern im
herkömmlichen Telefonnetz erreichen ("Phone Out") und sind umgekehrt
auch aus dem Telefonnetz über eine Telefonnummer erreichbar. Allerdings
bietet Yahoo! derzeit nur Rufnummern aus Frankreich, Großbritannien und
den USA an. Insofern ist für deutsche Nutzer die Gatewayfunktionalität
nur einseitig erfüllt, da man zwar Telefonnummern anrufen kann, aber
nicht unter einer deutschen Telefonnummer erreichbar ist.
Das ändert aber nichts am grundsätzlichen Befund, dass
die Grenzen zwischen Instant Messaging und VoIP zusehends
verschwimmen.
Umgekehrt nämlich bieten manche VoIP-Anbieter über entsprechende
Software auch Instant Messaging-Funktionalität an, so etwa der
VoIP-Anbieter Skype.
b. Standard-basiert: Endgeräteunabhängigkeit und
Interoperabilität
Durch den Einsatz eines offiziellen oder zumindest
offenen Standards soll sicher gestellt werden, dass Nutzer untereinander
ohne weiteres kommunizieren können, unabhängig von Ihrem Endgerät und
über Anbietergrenzen hinweg.
Auf den ersten Blick mag dies reichlich banal
erscheinen, weil wir es aus dem herkömmlichem Telefonnetz nicht
anders kennen:
Eine beliebige Telefonnummer ist im Grundsatz von jedem
"Telefonendgerät-Typ"
(Festnetztelefon, Handy, Satellitentelefon, aber auch VoIP-Telefon!)
erreichbar. Telefonieren funktioniert völlig unabhängig von den Endgeräten der
beteiligten Gesprächspartner.
Auch sind herkömmliche Telefonnummern
anbieterunabhängig untereinander
erreichbar. Eine Anruf, der von einem Telefonanschluss der Deutschen
Telekom AG ausgeht, erreicht per standardisiertem Telefonnetz ohne
weitere praktische Schwierigkeiten einen Teilnehmer an einem Anschluss,
der bei Arcor, France Télécom, British Telecom, Verizon oder Embratel
geschaltet ist.
Anders dagegen bei den bereits angesprochenen Instant Messaging-Programmen. Instant Messaging-Programme nutzen in der Regel
anbieterspezifische (proprietäre)
Protokolle. Damit scheidet eine Nutzung mit
beliebigen Endgeräten fast immer aus (Ausnahmen bestätigen die
Regel).
Auch sind Teilnehmer verschiedener Instant Messaging-Dienste nicht ohne
weiteres untereinander erreichbar. Bekannteste Ausnahme ist der AOL
Messenger und ICQ, was aber im wesentlichen daran liegt, dass AOL schon
vor einiger Zeit ICQ
aufgekauft hat.
Dass auch hier manches im Fluss ist, zeigt die seit
Mitte 2006 gegebene Teil-Kompatibilität zwischen den Yahoo!- und Windows
Live-Systemen. Nutzer des Windows Live-Messengers können also
Yahoo!-Kontakte direkt aus dem Windows Live-System heraus per Instant
Message kontaktieren (und umgekehrt). Allerdings sind das trotzdem
gewissermaßen zwei Insellösungen, die nun durch eine Brücke verbunden
sind. Deswegen bleibt es aber insgesamt immer noch eine Insel. Eine
generelle Interoperabilität ist damit nicht garantiert.
Angesichts der gewaltigen Marktmacht dieser beiden Unternehmen können
solche letztlich immer noch geschlossenen Systeme auch durchaus parallel
bestehen. Doch der Nutzer sollte sich der dabei einhergehenden
Beschränkungen bewusst sein.
weiter...
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