II. Alles nur ein einziger Hype?
Trendy hin oder her, aber ist das nicht vielleicht
auch alles ein einziger Hype?
Selbstverständlich! ;-) Alles andere wäre auch sehr überraschend. Bei jeder
neuen Massenmarkt-Technologie gibt es anfangs einen Hype und das ist
auch gut so.
Zumindest bringt das nämlich den Vorteil mit sich, dass der
Anwender in einer solchen Anfangsphase viele neue Produkte und
Dienstleistungen ausprobieren kann. Ob aber all diese Produkte,
Dienstleistungen und die sie anbietenden Firmen langfristig am Markt
bestehen können, ist eine ganz andere Frage. Was heute
innovativ ist, kann morgen schon wieder
überholt sein, umgekehrt wird man in nicht allzu ferner Zukunft
Produkte nutzen können, die man sich
heute noch nicht mal vorstellen kann.
Nehmen wir als Beispiel Skype (dazu mehr auf den
folgenden Seiten; Skype ist ein Anbieter für Internet-Telefonie). Skype
wurde in den letzten Wochen und Monaten massiv gepusht, insbesondere
durch zahlreiche Veröffentlichungen in der Presse. In der Zwischenzeit
sind im Skype-System durchschnittlich mehr als
fünf Millionen User (!) gleichzeitig (!) eingeloggt. Zu
Spitzenzeiten tummeln sich bis zu sieben Millionen Nutzer gleichzeitig im Skype-Netz. Wenn das nicht beeindruckend
ist... Es ist auf jeden Fall ein klares Indiz für die enorme
Popularität von Skype.
Auf der anderen Seite aber sollte man bedenken, dass
Skype sich nicht auf etablierte Übertragungsstandards ("SIP") stützt,
sondern eine proprietäre (also Skype-spezifische) Technik verwendet,
die nicht mit dem weit verbreiteten SIP-Standard kompatibel ist (mit den
damit verbundenen Nachteilen bei Software und Hardware, siehe dazu auch
unter Los geht's/Voraussetzungen
und unter
Vorteile/Businessanwender/Kosten). Ist
eine solche "Insellösung" langfristig gesehen sinnvoll? Natürlich begründet Skype die
Verwendung einer eigenen Technologie mit der besseren Qualität, dem
niedrigen Bandbreitenbedarf (siehe unter
Praxis/Qualität/Codec) und der sehr einfachen weil nahezu
vollautomatischen ("automagical") Konfiguration v.a. im
Zusammenspiel mit Firewalls und NATs (was zutrifft, siehe dazu unter
Firewall/NAT/Eingehende
Verbindungen), aber wird sich ein
solches "closed system" langfristig halten können oder werden sich Anbieter durchsetzen, die
schon heute konsequent auf den SIP-Standard setzen? Aber vielleicht
entwickelt Skype über kurz oder lang eine entsprechende Schnittstelle?
Und wie schaut es mit den Preisen aus? Während der
Beta-Phase von Skype waren die Gesprächsgebühren für innerdeutsche
Gespräche ("SkypeOut") durchaus konkurrenzfähig. Seit dem offiziellen Launch von
Skype sind sie das aber eigentlich nicht mehr. Es gibt durchaus
kostengünstigere Optionen. Heißt das dann aber, dass Skype auf verlorenen
Posten steht? Nun, Gespräche zwischen Skype-Nutzern sind völlig
kostenlos. Wen interessieren dann noch die Gesprächsgebühren ins
deutsche Festnetz, wenn z.B. der Großteil der Freunde und Bekannten
sowieso per Skype und damit völlig "kostenlos" (abgesehen von den für
die Internet-Verbindung anfallenden Kosten) erreichbar ist?
Da zählen dann schon eher die Gesprächsqualität, die
Zuverlässigkeit und die Benutzerfreundlichkeit ("usability").
Sind die zufriedenstellend, spricht
nichts gegen Skype, proprietäres System hin oder her.
Vor diesem Hintergrund soll dieser Artikel dabei helfen,
zu klären, ob - Hype hin oder her - die Nutzung von Internet-Telefonie nicht
auch für einen selbst (als Privatanwender und auch als Businessanwender
[siehe unter
Vorteile/Businessanwender]) nützlich sein könnte. Wenn man bedenkt,
dass (je nach Statistik) in Schweden zwischen 10 und 12 Prozent aller
Haushalte mit Breitbandanschluss bereits VoIP nutzen, in Deutschland
aber nur mickrige zwei, dann sollte dies Grund genug sein, sich die
alles entscheidende Frage zu stellen: "Was bringt's?" Zunächst
soll aber kurz umrissen werden, was VoIP eigentlich ist (oder
nicht ist).
weiter...:
Was ist VoIP?
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