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Meine Digicam, Deine Digicam
Unerfreulicherweise kann es Ihnen trotz oder gerade
wegen intensiver Lektüre zahlreicher Testberichte auch passieren, dass
die Verwirrung nur noch gesteigert wurde.
Die Quintessenz Ihrer
umfänglichen Recherchen ist nämlich möglicherweise, dass es eigentlich
gar keine wirklich geeignete Kamera gibt. Die eine Kamera ist zu
langsam, die andere setzt ein suboptimales Speicherformat ein, die
dritte Kamera erlaubt keinerlei manuelle Einstellungen, die vierte ist
zu teuer und die fünfte hat nur ein 2-faches manuelles Zoom, für die
sechste Kamera gibt es kein Unterwassergehäuse (wer’s braucht…) und Ihr
absoluter Favorit ist nicht mehr im Handel verfügbar. Oder aber Sie
sehen sich mit divergierenden Testergebnissen konfrontiert. In dem einen
Test ist die Kamera eine "Empfehlung der
Redaktion", in einer anderen
Publikation schneidet die Kamera eher bescheiden ab. Also doch lieber
weiter analog fotografieren?
Jein. Wenn Sie nach intensiver Marktanalyse tatsächlich
keine geeignete Kamera gefunden haben und Sie nicht unter Zeitdruck
stehen, spricht nichts gegen einen Aufschub. Bei Digitalkameras
herrschen heutzutage ähnlich kurze Produktzyklen vor wie bei Computern,
so dass sich die Marktlage schon in vier Wochen völlig anders darstellen
kann. Im ungünstigsten Fall stehen Sie freilich auch einen Monat später
wieder vor demselben Dilemma: Keine perfekte Kamera in Sicht!
Dazu ist zu sagen, dass es die einzig perfekte Kamera
nie gegeben hat und nie geben wird. Jede Digitalkamera ist ein
Kompromiss. Entscheidend bei der Auswahl ist, das für die eigenen Zwecke
geeignete Produkt zu identifizieren. Das wiederum ist einfacher gesagt
als getan.
Es setzt zunächst voraus, dass man bereits über einen
gewissen Marktüberblick und über etwas Hintergrundwissen verfügt. Wer
Testberichte gelesen hat, ist in dieser Hinsicht in der Regel gut
gewappnet.
Insbesondere aber erfordert es eine präzise Analyse der eigenen
fotografischen Bedürfnisse und Anforderungen. Der
Kardinalfehler bei der
Auswahl einer Digitalkamera ist mithin darin zu sehen, "eine
Digitalkamera" kaufen zu wollen.
Richtig muss es heißen: "Ich will eine
Digitalkamera kaufen, die noch in meine Hosentasche passt, die mehr als
nur den standardmäßigen mechanischen 3-fach-Zoom hat, andererseits aber
auch nicht mit einem überflüssigen 30-fachen digitalen Zoom ausgestattet
zu sein braucht, weil das elektronische Zoomen am Computer eh besser
funktioniert; eine Kamera mit SD-Speicherkarten und guter
Farbwiedergabe, eine Kamera, die nicht mehr als +/- 250 Euro kosten darf
und zumindest rudimentäre manuelle Einstellungsmöglichkeiten bieten
sollte; eine Kamera die nicht 10 Megapixel zu haben braucht, weil ich
meine Fotos selten bis nie als Poster entwickeln lasse."
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