Florian Meßner


Ein Traum von Abstieg

Das hätten wir uns nicht träumen lassen: Wir genießen unseren Abstieg

Wenn es stimmt, dass auch beim Bergsteigen der Weg das Ziel ist, dann sollte auf dem Weg aber bitteschön auch ein Gipfel liegen. Sonst wird das mit der wohlverdienten Gipfelbrotzeit nämlich schwierig… Bei aller Gipfelfixiertheit ist eine Bergtour aber so oder so nicht am Gipfel zu Ende – es sei denn, der faule Alpinist profitiert von der Bergstation einer Bergbahn.

Denn nach dem Gipfel folgt unweigerlich der Abstieg. Bei der Planung wird der gerne mal vernachlässigt. Oft ist er eher so ein lästiger Annex, den es möglichst schnell hinter sich zu bringen gilt. Wir reden dabei nicht von dem Klassiker, den letzten Bus um 17:29 Uhr erwischen zu müssen, wenn man keinen gesteigerten Wert auf einen stundenlangen zusätzlichen Fußmarsch zurück in die (Bahn-)Zivilisation legt.

kurzer Anstieg, langer Abstieg

kurzer Anstieg, langer Abstieg

Sehr wohl reden wir aber von der Unsitte, aus einem seltsamen Automatismus heraus den kürzesten Weg ins Tal zu nehmen. Nun gut, vielleicht ist das auch eine Frage der Kondition. Andererseits heißt das dann aber vielleicht lediglich, dass der Anstieg zu lang und zu anstrengend war. So oder so entgeht einem gut und gerne eine traumhafte “zweite Halbzeit“. Und evtl. auch eine lohnenswerte “Verlängerung”.

Automobile Bergsteiger mögen anführen, der kürzeste Abstieg sei der einzig mögliche zurück zum Ausgangspunkt. Ja nun gut, dann ist das ein Grund mehr, nicht mit dem eigenen Vehikel anzureisen. Bahn- und Bus-Alpinisten sind da ungleich flexibler – zumindest theoretisch, wenn sie denn wollen 🙂

Apropos Theorie. Beispiel gefällig? Die Kohlbergspitze im Außerfern. Übrigens eines der schönsten Wandergebiete in Reichweite von München. Der Anstieg zum Gipfel ist mit ca. 4 Stunden schon nicht ohne, zumal das Gelände durchaus eine gewisse alpine Erfahrung erfordert. Der kürzeste Abstiegsweg zurück zum Ausgangspunkt Bichlbach dürfte in etwa 2,5 Stunden zu schaffen sei.

Ungleich interessanter aber ist eine laaaaaange Höhenwanderung auf den Alpenrosensteig zum Grünen Ups mit Abstieg nach Lermoos. Von der Kohlbergspitze bis nach Lermoos dauert es gut und gerne mit Pausen nochmal 4 Stunden. Abgesehen von kleinen Gegenanstiegen ist der Weg nicht mal ansatzweise anstrengend (ganz anders als der steile Anstieg) oder gar schwierig. Es ist einfach eine genussvolle Wanderung ins Tal mit dem Weg als Ziel.

Obwohl. Ziel sollte auf jeden Fall der letzte Zug in Lermoos nach Garmisch um kurz vor halb 8 Uhr abends sein. Sonst wird’s mit der Rückfahrt a bisserl kompliziert. Der Weg ist vielleicht das Ziel, aber nach 8 Stunden Bergtour noch nach Garmisch gehen zu müssen oder 4 Stunden Rückfahrt über Kempten, ist dann doch zu viel des Guten.

Die sonstigen Details zur Tour auf und herunter von der Kohlbergspitze auf den Tourenseiten.

In diesem Sinne: träumen wir weiter.

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Über den Autor

Florian Meßner, Licencié en Droit (Paris II), beeidigter für Französisch, ist Dozent für für Wirtschaftsrecht an der Hochschule für Angewandte Sprachen (SDI) sowie Dozent für Rechtsübersetzung FR-DE und Fachterminologie Recht FR/DE an der Fachakademie des SDI.