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Ein Traum von Blog (7)

Veröffentlicht am Donnerstag, den 25. Juni 2009

Das hätten wir uns nicht träumen lassen: Schau ma moi, dann segn ma scho.

Anfang verpasst? → Unser guter Vorsatz für 2009 ist die Revitalisierung unseres Wannabe-Blogs (Teil 1). Nachdem wir zunächst untersucht haben, ob man tatsächlich jeden Hype (Teil 2) mitmachen muss, haben wir uns mit der Frage nach dem Blog-Thema auseinandergesetzt (Teil 3). Zu eng gefasste Themen sind oft Ressourcenfresser (Teil 4). Eine niedrige Aktualisierungsfrequenz ist ähnlich kontraproduktiv wie Unregelmäßigkeit beim Aktualisieren (Teil 5). Auch persönliche Blogs sind nicht der Weisheit letzter Schluss (Teil 6).

Vielleicht aber liegt die Lösung viel näher als man vermuten würde. Vielleicht ist es schon ein grundsätzlicher Denkfehler, überhaupt vorab und abstrakt ein Thema für einen Blog festzulegen. Wäre es nicht verlockend, “einfach” zu bloggen und sich treiben zu lassen? Kommt der Autor nicht zum Thema, muss das Thema vielleicht zum Autor kommen. Möglicherweise ergibt sich das Blog-Thema im Laufe der Zeit. Wäre das nicht sogar der Idealfall? Immerhin ist ein Blog keine statische Angelegenheit, sondern work in progress.

Eine zugegebenermaßen mehr als verlockende Sichtweise, die wir allerdings basierend auf unserer ebenfalls zugegebenermaßen bescheidenen Blog-Erfahrung für Augenwischerei halten. Eine solche Schau-ma-moi-dann-segn-ma-scho-Strategie mag kurzfristig funktionieren. Mittel- und langfristig erschwert sie dem Blog-Schreiber seine Arbeit. Wer bloggt, muss mit offenen Augen durchs Leben gehen, um Ideen für Blog-Postings zu gewinnen. Mit “offenem Auge” heißt insbesondere, aus der Masse an potenziellen Themen für Blog-Postings genau die zu identifizieren, die tatsächlich geeignet sind. Ohne ein Rahmen-Thema hat man zwar viele Ideen, aber keine geeigneten. Man sieht nämlich dann den bloggischen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. So viele Ideen, aber welche kann man für den Blog gebrauchen? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wer als Blog-Betreiber ein Rahmen-Thema vor Augen hat.

Zudem geht es bei Lichte betrachtet auch nicht nur um den Blog-Autor, sondern doch eigentlich um dem Leser? Ohne Rahmen-Thema fehlt der rote Faden, ohne den die einzelnen Postings in der Luft hängen, was keinen in sich stimmigen Blog ergibt. Ein solcher Blog wäre aber für die Leser des Blogs unattraktiv angesichts des Themen-Potpourris.

Die Moral aus der Geschichte scheint zu sein, dass die Festlegung des Blog-Themas der Quadratur des Kreises gleichkommt: Es sollte ein weites Thema sein, ohne dass dies zu Beliebigkeit führt, es sollte ein spezifisches Thema sein, ohne dabei ins Exotische abzudriften. Als ob das noch nicht schwierig genug wäre, sollte es auch noch ein einigermaßen seriöses Thema sein, ohne dass dies mit zeitintensiver Komplexität einhergehen darf. Darüber hinaus sollte das Blog-Thema einerseits präzise, andererseits aber auch flexibel genug sein, um die Work-in-progress-Philosophie nicht gänzlich abzuwürgen.

Ein solches Thema kann es nicht geben.

Wenn dem so ist, ist es auch nicht weiter überraschend, dass es so schwierig ist, ein geeignetes Blog-Thema zu finden. Die vielleicht etwas überraschende Schlussfolgerung mag sein, dass ein Blog gar kein Thema braucht, vor allem aber gar nicht haben sollte. Im Nachhinein ist es uns damit auch klar geworden, warum die zahlreichen Blog-Revitalisierungsversuche in den letzten Jahren, die größtenteils nicht coram publico stattgefunden haben (Gott sei Dank, möchte man ergänzen, da die meisten Ansätze bei Lichte betrachtet oben genannten inhaltlichen Anforderungen nicht genügten) zum Scheitern verurteilt waren.

So ist uns die Erkenntnis gereift, dass wir statt einen Blog-Themas ein Blog-Motto benötigen.

Mot|to  das; -s, -s <lat.-vulgärlat.-it.>: Denk-, Wahl-, Leitspruch; Kennwort

(Wir haben mit einem Duden-Zitat beginnen und enden mit einem solchen.)

Während ein Thema per definitionem ein starres und eng umrissenes Konzept beschreibt, ist ein Motto zwar nicht das glatte Gegenteil. Jedoch bietet es die für einen Blog nötige Flexibilität und stellt gleichwohl eine Rahmenstruktur zur Verfügung.

So ist es möglich, dass wir uns in unserem Blog einige Wochen lang mit dem Thema Bloggen beschäftigt haben, nächste Woche aber von etwas ganz anderem träumen werden.

In diesem Sinne: träumen wir weiter.

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© Copyright Florian Meßner 2001-2010 | 25. 06. 2009 » Blog

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