Ein Traum von Blog (6)
Das hätten wir uns nicht träumen lassen: Visitenkarte und Voyeurismus.
Anfang verpasst? → Unser guter Vorsatz für 2009 ist die Revitalisierung unseres Wannabe-Blogs (Teil 1). Nachdem wir zunächst untersucht haben, ob man tatsächlich jeden Hype (Teil 2) mitmachen muss, haben wir uns mit der Frage nach dem Blog-Thema auseinandergesetzt (Teil 3). Zu eng gefasste Themen sind oft Ressourcenfresser (Teil 4). Eine niedrige Aktualisierungsfrequenz ist ähnlich kontraproduktiv wie Unregelmäßigkeit beim Aktualisieren (Teil 5).
Wenn es also weder mit einem allgemeinen noch mit einem speziellen Thema zu funktionieren scheint, dann machen wir eben auf “persönlicher Blog”? Ab und an einen Schwank aus unserem Leben! Das müsste doch zu schaffen sein. Gerüchteweise sind Leute schon richtig reich geworden mit Blogs oder Vlogs (Video-Blogs), indem sie über ihren Alltag gebloggt haben. Ein solcher Blog erhebt schon gar nicht mehr den Anspruch, irgendwie anspruchsvoll zu sein. Der Alltag ist es vielleicht auch nicht, und wo steht geschrieben, dass ein Blog ein Anspruchsmindesterfordernis erfüllen müsste? Nirgends, ergibt sich aber in unserem Fall aus den Umständen. Unsere Website ist eng verbunden mit unserer Tätigkeit als Sprachdienstleister. Wir müssen damit rechnen – und wollen! -, dass (potenzielle) Kunden sich auf der Website umschauen. Genau genommen sehen wir die Website durchaus als “erweiterte Visitenkarte“, mit der wir uns als Sprachdienstleister im Netz präsentieren. Vor diesem Hintergrund erscheint es riskant, im Blog ausgemachten Humbug zu veröffentlichen. Keineswegs müssen Blog-Postings hochgeistig sein, sie dürfen sogar “seicht” sein. Der Peinlichkeitsfaktor sollte aber im Großen und Ganzen niedrig bleiben. Bleibt zu hoffen, dass das gelingt… Sich durch Niveaulosigkeit zu blamieren wäre im Übrigen das eine, durch die Erwähnung von Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen oder Kunden für böses Blut zu sorgen oder Kunden zu Ex-Kunden machen, wäre nochmal eine neue Dimension, die wir nicht erreichen wollen. Kunden vertrauen zu Recht auf die Verschwiegenheit des Übersetzers bzw. Dolmetschers, v.a. wenn es um delikate Rechtsdokumente geht. Müssen Kunden damit rechnen, gewisse Dinge im Blog des Sprachdienstleisters ausgebreitet zu finden, würden sie sich, ebenfalls zu Recht, einen anderen Sprachdienstleister suchen.
Abgesehen davon stellt sich unserer Erfahrung nach bei nach einem “persönlichen Blog” mitunter das Problem, dass man über gewisse Dinge aus seinem Leben schlicht nicht bloggen will. Ein Mindestmaß an Bereitschaft, den allgemeinen Voyeurismus zu bedienen, ist zwar Grundvoraussetzung. Aber wir wollen eigentlich nicht jedes Detail aus unserem Privatleben im globalen Netz ausbreiten. Da kann es uns nur Recht sein, dass wir nach Stand der Dinge sowieso nicht garantieren könnten, dass wir jede Woche einen blogwürdigen Schwank erleben. Vielleicht haben wir einfach ein zu langweiliges Leben…
Soweit so schlecht. Denn die Frage nach dem Thema des Blogs ist damit noch immer unbeantwortet. Was bleibt dann noch übrig? Übrig bleibt auf den ersten, in der Zwischenzeit leicht verzweifelten Blick nur noch ein Meta-Blog, der das Bloggen als solches zum Thema macht. Also im Prinzip das, was wir derzeit in diesem Blog-Artikel praktizieren. Fällt einem nichts ein, dann bloggt man eben darüber, dass einem nichts einfällt. Dass eine solche Notlösung durchaus funktionieren kann, sieht man schon daran, dass uns ganz offensichtlich schon einiges zu diesem Nicht-Thema eingefallen ist. Allerdings ist es eine Sache, ein paar Artikel zum Thema Bloggen zu verfassen und eine andere, einen ganzen Blog dauerhaft mit diesem Thema zu füllen. Insofern bleibt ein Meta-Blog in den meisten Fällen so oder so eine Notlösung (Ausnahmen bestätigen die Regel). Und ehrlich gesagt, weder wollen wir die nächsten Monate übers Bloggen bloggen, noch halten wir das langfristig für interessant. So interessant das Thema momentan auch sein mag, irgendwann ist eben auch bei einem Meta-Blog alles gesagt.
Soweit so schlecht, aber das sagten wir bereits. Dann ist also das Ergebnis all unserer Überlegungen, dass es kein konstruktives Ergebnis gibt? Mehr dazu in Kürze.
In diesem Sinne: träumen wir weiter.
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Tags: Akquise, Blog, Ein Traum von, Meta, Vertraulichkeit, Visitenkarte, Voyeurismus, Werbung
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