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Ein Traum von Blog (3)

Veröffentlicht am Donnerstag, den 16. April 2009

Das hätten wir uns nicht träumen lassen: Exotik und Selbst-Kannibalisierung.

Anfang verpasst? Unser guter Vorsatz für 2009 ist die Revitalisierung unseres Wannabe-Blogs (Teil 1). Nachdem wir zunächst untersucht haben, ob man tatsächlich jeden Hype (Teil 2) mitmachen muss, wenden wir uns heute der nicht minder wichtigen Frage nach dem Inhalt zu.

Gut, dann bloggen wir jetzt also! Aber über welches Thema?

Wenn alle Welt bloggt, dann kann das so schwer ja wohl nicht sein. Thematisch ist dabei alles vertreten: Wetter, Internet, Technik, Politik, Reisen, ganz zu schweigen von all den “persönlichen” Blogs. Kein Thema ist abwegig genug, um nicht Gegenstand eines Blogs werden zu können. Alles schön und gut. Natürlich fällt uns “etwas” ein zu – sagen wir mal – Internet. Das Thema interessiert uns (was mittelfristig sicherlich ausgesprochen förderlich wäre…), wir haben täglich damit zu tun, also bloggen wir darüber. Guter Plan, aber nach unserer Erfahrung nicht praxistauglich. Denn Themen wie die genannten sind sehr breit und halten naturgemäß viele diskussionswürdige Aspekte bereit. Zwar wäre dies an sich durchaus positiv. Aber “breites Thema” ist bei Lichte betrachtet nur eine euphemistische Umschreibung für “unspezifisches Thema”.

Weil das so ist, darf man getrost davon ausgehen, dass es wohl kein Zufall ist, dass viele Blogs zum Thema Internet im Wesentlichen Nachrichten (Neudeutsch: News) bloggifizieren. Das führt dann häufig zu Blog-Einträgen nach folgendem Schema: “Habe auf xyz.de gelesen, dass Internet-Firma Y irgendein Z auf den Markt gebracht hat. Klingt vielversprechend, aber…”. Mit Verlaub, das ist eine leicht modifizierte Form einer klassischen Presseschau und setzt voraus, dass man regelmäßig die einschlägigen News-Seiten mitliest. Bedenkt man dann noch, dass gefühlte dreitausend Blogs genau das trotzdem machen, vergeht uns endgültig die Lust. Ohne größenwahnsinnig erscheinen zu wollen, wollen wir zumindest den Anspruch haben, nicht das Gleiche, schlimmstenfalls sogar dasselbe zu machen wie all die anderen Blogs da draußen. Insgesamt gesehen empfinden wir eine solche Vorgehensweise als wenig kreativ und eigentlich uninteressant.

Wenn ein breites Thema nicht der Weisheit letzter Schluss ist, sollte man es vielleicht mit einem eng gefassten, speziellen Blog-Thema probieren. So verlockend eine solche Ausrichtung auf den ersten Blick sein mag, so wenig überzeugend ist sie bei näherer Betrachtung: Erstens besteht in solchen Fällen immer latent die Gefahr, dass das Thema irgendwann abgegrast ist. Über kurz oder lang ist jede Verästelung, jeder Aspekt durchdekliniert. Darüber hinaus ist ein eng gefasstes Thema typischerweise nur für eine ebenso eng umrissene Zielgruppe überhaupt interessant. Der ganze Rest der potenziellen Leser interessiert sich aber ganz und gar nicht für das gewählte Thema. Es liegt auf der Hand, dass man nicht jeden glücklich machen kann und nicht jeder interessiert sich für alles. Das ist unproblematisch im Falle einzelner Blog-Postings (wo sich so etwas kaum wird vermeiden lassen wird), es ist aber wenig erbaulich, wenn der ganze Blog nur dieses eine Thema zum Gegenstand hat. Wenn wir beim “breiten Thema” einen Euphemismus angenommen haben, dann trifft dies auf “eng gefasstes Thema” auch zu: “eng gefasstes” ist nichts anderes als ein “exotisches Thema“. Einen Blog zu einem exotischen Thema zu betreiben, ist vielleicht gut fürs Ego, findet aber unter Umständen unter Fast-Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Aus diesen Überlegungen heraus möchten wir beispielsweise keinen “VoIP-Blog” betreiben. An einem solchen Blog lassen sich ganz hervorragend die genannten Bedenken durchexerzieren: VoIP / Internet-Telefonie ist zwar ein Thema, das inhaltlich einiges hergibt. Nicht umsonst umfasst der VoIP-Artikel mehrere Hundert Seiten! Andererseits ist das Thema irgendwann durch. Zudem würde ein solcher Blog nur VoIP-Adepten interessieren. Wir wollen aber neue Leser gewinnen. Erschwerend kommt hinzu, dass wir uns mit einem Blog wahrscheinlich selber Konkurrenz machen würden: Welche neue Information müsste in den VoIP-Artikel eingearbeitet werden und was würde im Blog stehen? Oder würde das neue Detail sowohl im Blog als auch im VoIP-Artikel stehen? An einer solchen Selbst-Kannibalisierung sind wir nicht interessiert. Wir haben den VoIP-Artikel vor einigen Jahren im Übrigen genau deswegen begonnen, um eine in sich geschlossene, so vollständig wie mögliche Abhandlung zum Thema VoIP anbieten zu können. Ohne Zweifel eignet sich VoIP auch für einen Blog (und es gibt dutzende von VoIP-Blogs), aber für uns passt das aus den genannten Gründen nicht. Dass wir außerdem auch mal über etwas anderes als “immer nur VoIP” schreiben wollen, war, wie bereits früher erwähnt, der wesentliche Impetus für uns, überhaupt mit dem Bloggen zu beginnen. Da wäre es mit Verlaub einigermaßen grotesk, wenn wir ausgerechnet einen VoIP-Blog betreiben würden.

Eng gefasste Blog-Themen bergen aber noch eine weitere Gefahr. Dazu demnächst mehr.

In diesem Sinne: träumen wir weiter.

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